Diskussionen unter den TeilnehmendenWiesbaden/Erfurt, 3. Mai 2026. Nach einer Fachtagung zum Thema „Gut informiert? Frieden und Kriege in den Medien" vom 1. bis 3. Mai 2026 in Erfurt hat die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung e.V. (BNS) den „Erfurter Appell zu Frieden und Kriegen in den Medien" herausgegeben. Das Dokument richtet sich an alle, die Medien nutzen, journalistisch gestalten oder in leitender Position verantworten. Sie werden gebeten: „Bewahren Sie eine grundlegend friedliche Haltung: Frieden ist besser als Krieg, Verhandeln ist besser als Gewalt, Recht ist besser als Unrecht.“
Narrative der Kriege hinterfragen, pazifistische Ansätze wahrnehmen
Der Erfurter Appell stellt die Warnung voran: „Wer Kriege führt, betrachtet die Medien als eines seiner Gefechtsfelder.“ Das Ziel der Kriegsparteien sei stets, die öffentliche Meinung zu dominieren. Der Appell ruft dazu auf, die Narrative der Kriegführenden kritisch zu hinterfragen. Zu ihnen gehöre auch die Rede von „angeblich unvermeidlicher Gewalt“. Der Appell bittet, stets nach Wegen aus dem Konflikt zu suchen. Als Maßstab benennt er die Charta der Vereinten Nationen, die alle internationalen Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen fordert und ein allgemeines Gewaltverbot ausspricht. Die Medienschaffenden werden gebeten, dabei pazifistische Ansätze angemessen einzubeziehen. Dies geschehe derzeit nicht in ausreichendem Maße, kritisiert die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung e.V. (BNS).
An Medienleitungen: Qualität und Unabhängigkeit sichern, Frieden priorisieren
Friedensbeauftragter der EKD, Landesbischof Friedrich KramerDie Verantwortlichen in Medienhäusern werden gebeten, trotz des hohen wirtschaftlichen Drucks durch knappe Finanzen und digitale Konkurrenz die journalistischen Standards zu bewahren. Friedensthemen sollen mit fachkundigen Redakteurinnen und Redakteuren besetzt werden. Ausdrücklich begrüßt die BNS den „Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien" vom März 2026. Sie beklagt jedoch, dass die pazifistische Perspektive in der Medienlandschaft nach wie vor „fast durchgängig zu kurz kommt“.
An Journalistinnen und Journalisten: Haltung zeigen, Kontext liefern, Distanz wahren
Journalismus müsse mehr sein als das bloße Abbilden politischer Meinungen. In ihrem Appell plädiert die BNS für einen aktiven Fakten-Check, das Aufdecken von Widersprüchen und sowie von politischen und wirtschaftlichen Hintergründen: „Ihr Text braucht Kontext." Der Appell mahnt zur inhaltlichen Unabhängigkeit. So sollen Bilder und Sprachbilder der Kriegführenden nicht unreflektiert übernommen werden: „Gegnerische Führungspersonen werden nicht `ausgeschaltet´“ – sie werden getötet.
An das Medienpublikum: Qualitätsjournalismus aktiv unterstützen, Schulfach Medienbildung nötig
Die Nutzerinnen und Nutzer von Medien werden gebeten, qualitativ hochwertige, kostenpflichtige Medienangebote aktiv zu unterstützen, denn nur so lassen sich Vielfalt und Unabhängigkeit dauerhaft sichern. Kostenlose Nachrichtenportale und soziale Medien allein reichten nicht aus – ihre Arbeitsweise sei zu intransparent. Darüber hinaus plädiert die BNS für die Einführung eines Schulfachs Medienbildung.
Download: „Erfurter Appell zu Frieden und Kriegen in den Medien"